Bundesverwaltung: Kein Plan für den Windows-Umstieg

Christian Palm • 26.10.2025
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Der Bund weiß nicht, wie viele Rechner noch mit Windows 10 laufen - das Digitalministerium nennt fehlende Ressourcen als Grund.
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Microsoft hat Mitte Oktober den Support für Windows 10 eingestellt. Für Privatnutzer*innen bedeutet das: schnell auf Windows 11 umsteigen oder ein alternatives Betriebssystem wählen, bevor Schadsoftware die Einladung annimmt. Behörden sollten es da eigentlich besser wissen - tun sie aber offenbar nicht.

Denn im Bund weiß niemand so genau, wie viele Rechner eigentlich betroffen sind. Der Linken-Abgeordnete Sascha H. Wagner fragte beim Finanzministerium nach: Wie viele Systeme laufen noch mit Windows 10? Wie teuer wird der Umstieg? Wann soll alles fertig sein? Antwort: keine. Das Digitalministerium unter Karsten Wildberger (CDU) verfüge über keine gesammelten Informationen. Um die Fragen zu beantworten, seien „umfangreiche Erhebungen“ nötig, heißt es trocken vom Ministerium.

Mit anderen Worten: Der Bund weiß nicht, auf wie vielen seiner eigenen Rechner ein veraltetes Betriebssystem läuft - und hat keine Kapazitäten, das herauszufinden. Selbst zur Zahl der Geräte, die nach dem Support-Ende unbrauchbar werden, konnte niemand etwas sagen.

Dabei wurde schon 2019 ein zentrales Lizenzmanagement für die Bundesverwaltung beschlossen, das genau solche Transparenz schaffen sollte. Passiert ist seither wenig. Der Bundesrechnungshof hatte mehrfach kritisiert, dass Behörden Software ineffizient einkaufen und einsetzen, weil niemand den Überblick hat. Eine gemeinsame Lizenzdatenbank hätte das ändern können - sie scheiterte, laut Ministerium, an fehlenden Ressourcen.

Nun soll stattdessen ein „zentraler Datenpool“ entstehen, der irgendwann alle Lizenzinformationen bündelt. Wann das passiert? Unklar. Bis dahin bleibt der Bund also auf Windows 10 sitzen - und hofft, dass Microsofts kostenpflichtige Sicherheitsupdates das Schlimmste verhindern. Linken-Politiker Wagner findet das „erschreckend“. Man könnte auch sagen: typisch deutsch-digital.

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