Ausweis aufs Handy, Bürokratie runter: Wildbergers Digitalplan für 2026

Christian Palm • 02.01.2026 · 2 Min. Lesezeit
Deutschlands Digitalminister plant digitale Ausweise ab 2027. Weniger Bürokratie, mehr Online-Verwaltung - und viel Erwartungsdruck.
Bundestag Deutschland Flagge

Deutschlands Verwaltung soll digitaler werden. Nicht irgendwann, sondern spürbar. Das verspricht Karsten Wildberger nach acht Monaten im Amt. Der frühere Mediamarkt-Saturn-Chef sieht Fortschritte bei der Staatsmodernisierung - betont aber, dass Digitalisierung kein Sprint ist. Eher ein Dauerlauf mit Behördenstopp.

Seit dem Amtsantritt der Regierung von Friedrich Merz wurde Wildbergers neues Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung aus dem Boden gestampft. Auftrag: Prozesse vereinfachen, beschleunigen, digitalisieren. Klingt bekannt, ist aber diesmal mit einer umfassenden Modernisierungsagenda unterlegt. Über 200 konkrete Vorhaben sollen Verwaltung für Bürger und Unternehmen schlanker machen. Ambition ist vorhanden, Komplexität auch.

Konkret geht es um Dinge, die im Alltag tatsächlich nerven. Ausweise beantragen, ummelden, Steuern erklären. Der Personalausweis soll für über 70-Jährige künftig unbefristet gültig sein. Steuererklärungen sollen vorausgefüllt und automatisiert werden. Behördenkommunikation soll per E-Mail funktionieren, nicht mehr per Brief. Und KI soll Anträge vorsortieren und prüfen, um Sachbearbeiter zu entlasten. Digitalisierung nicht als Show, sondern als Werkzeug.

Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt die digitale Brieftasche. Am 2. Januar 2027 soll sie starten. Dann können Personalausweis und Führerschein offiziell auf dem Smartphone gespeichert und bei Kontrollen anerkannt werden. Die Plastikkarten dürfen zu Hause bleiben. Wildberger selbst will trotzdem ein Backup behalten. Ein bemerkenswert ehrlicher Hinweis in einem Land, das digitale Ausfallszenarien gern zuerst denkt.

Skepsis ist auch eines der zentralen Probleme, die der Minister adressiert. Deutschland stelle oft zuerst die Frage nach Risiken, nicht nach Chancen. Wildberger hofft auf einen mentalen Shift: Wenn digitale Prozesse Kontoeröffnungen, Vertragsabschlüsse oder Altersverifikation vereinfachen, rücke die Sicherheitsdebatte automatisch in ein realistischeres Verhältnis zum Nutzen.

Um Prioritäten besser zu setzen, bindet das Ministerium die Bürger ein. Auf der Plattform „Einfach machen“ können konkrete Hürden in der Verwaltung gemeldet werden. Die Idee dahinter ist pragmatisch: Fokus statt Aktionismus. Nicht alles gleichzeitig, sondern dort ansetzen, wo es am meisten bringt.

Ob 2026 wirklich das Jahr wird, in dem Digitalisierung im Alltag ankommt, bleibt offen. Die Pläne sind da, die Versprechen auch. Entscheidend wird sein, ob sie sich jenseits von Pilotprojekten und Pressezitaten bewähren.

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