Hohe Bandbreite ist längst nicht mehr alles. Gerade bei Videokonferenzen, Cloud-Gaming oder Multiplayer-Spielen entscheidet oft die Latenz darüber, ob sich eine Verbindung gut oder träge anfühlt. Genau hier setzt Vodafone jetzt an.
Der Anbieter aktiviert schrittweise eine neue Technik namens „Low-Latency DOCSIS“ im eigenen Kabel-Glasfasernetz. Ziel ist es, die Reaktionszeiten im Netz deutlich zu senken - vor allem dann, wenn viele Haushalte gleichzeitig online sind und die Infrastruktur ausgelastet wird.
Das Prinzip dahinter ist vergleichsweise simpel: Wichtige Datenpakete erhalten Vorrang und müssen sich nicht mehr hinter großen Downloads oder Streams anstellen. Anwendungen wie Zoom, Teams, GeForce Now oder Online-Games landen dadurch auf einer Art Überholspur.
Kürzere Antwortzeiten ohne neue Leitung
Der große Vorteil für Bestandskunden: Die Optimierung passiert direkt im Vodafone-Netz. Es müssen also keine neuen Leitungen verlegt oder Anschlüsse umgebaut werden.
Laut Vodafone läuft die technische Umstellung bereits im Hintergrund. Bis Oktober sollen rund 45 Prozent des Kabelnetzes vorbereitet sein. Das entspräche etwa 12 Millionen Haushalten. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll die Technik dann im gesamten eigenen Kabelnetz verfügbar werden - insgesamt für rund 24 Millionen Haushalte.
Im Vorfeld hat Vodafone die Technik bereits in Stuttgart getestet. Dabei kam unter anderem der neue Ultra Hub 7 zum Einsatz. Nach Angaben des Unternehmens konnten die Latenzwerte während Stoßzeiten massiv reduziert werden. Besonders am Abend, wenn viele Nutzer gleichzeitig streamen, downloaden oder spielen, sollen die Antwortzeiten um mehr als die Hälfte sinken.
Interessant für Gaming, Cloud-Dienste und Homeoffice
Die neue Priorisierung dürfte vor allem drei Gruppen freuen. Online-Gamer profitieren von stabileren Ping-Zeiten. Gerade schnelle Multiplayer-Titel reagieren empfindlich auf Verzögerungen oder kurze Lastspitzen im Netz.
Auch Cloud-Gaming-Dienste könnten spürbar besser laufen. Wenn Eingaben schneller übertragen werden, reagieren Spiele direkter und Bildartefakte durch schwankende Verbindungen treten seltener auf.
Im Homeoffice geht es dagegen eher um Stabilität bei Videokonferenzen. Wer parallel große Downloads laufen hat oder mit mehreren Personen im Haushalt arbeitet, kennt das Problem: Die Verbindung bleibt zwar schnell, Gespräche wirken aber verzögert oder stocken kurz. Genau solche Situationen soll Low-Latency DOCSIS abfedern.
Router-Updates kommen ab Oktober
Damit die Optimierung auch bis zum heimischen Netzwerk durchgereicht wird, plant Vodafone ab Oktober Firmware-Updates für kompatible Kabelrouter. Unterstützt werden zunächst die ersten eigenen Geräte von Vodafone.
Weniger erfreulich sieht es aktuell für Nutzer eigener Kabelrouter aus, zum Beispiel FRITZ!Box. Vodafone spricht zwar bereits mit Drittanbietern, konkrete Unterstützung für freie Router gibt es bislang aber noch nicht. Wer das Maximum aus der neuen Technik herausholen will, könnte daher vorerst auf Hardware des Providers angewiesen sein.
Kabelnetz bekommt ein wichtiges Upgrade
Das Thema Latenz wurde im Kabelnetz lange eher stiefmütterlich behandelt. Der Fokus lag meist auf höheren Downloadraten. Mit Low-Latency DOCSIS verschiebt sich die Priorität jetzt stärker Richtung Reaktionsgeschwindigkeit und Netzqualität.
Gerade weil Anwendungen zunehmend in Echtzeit funktionieren müssen, wird niedrige Latenz wichtiger als reine Gigabit-Werte. Für viele Nutzer dürfte die Verbesserung im Alltag deshalb stärker auffallen als ein weiteres Plus bei der Downloadrate.
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