Dass Proton mehr sein will als nur der Anbieter für verschlüsselte E-Mails, zeichnete sich schon länger ab. Mit dem offiziellen Start von Proton Workspace und dem Videotool Meet versucht das Unternehmen nun den direkten Schulterschluss zu den großen Suiten aus Redmond und Mountain View. Es geht nicht mehr nur um einzelne Tools für Sicherheitsbewusste, sondern um ein geschlossenes Ökosystem für Unternehmen, die ihre Daten lieber in Europa wissen wollen.
Die Strategie hinter dem Paket ist simpel: Proton bündelt Mail, Drive, VPN und die Passwortverwaltung mit den neueren Modulen Docs und Meet. Dass inzwischen über 100 Millionen Menschen und rund 100.000 Firmenkunden registriert sind, gibt dem Vorhaben das nötige Fundament. Der Pitch ist dabei weniger technischer Natur als vielmehr rechtlicher. In Zeiten des US CLOUD Acts, der US-Behörden Zugriff auf Daten erlauben kann, auch wenn diese auf europäischen Servern liegen, positioniert sich Proton als neutrale Bastion. Wer Compliance-Vorgaben einhalten muss, findet hier ein Argument, das über reine Feature-Listen hinausgeht.
Interessant ist der Ansatz bei der künstlichen Intelligenz. Während man bei den großen Plattformen oft das ungute Gefühl hat, dass die eigenen Video-Calls oder Chat-Verläufe ungefragt als Trainingsmaterial für das nächste Sprachmodell herhalten, verspricht Proton mit Lumo AI eine Privatsphäre-Garantie. Die Architektur soll so aufgebaut sein, dass selbst der Anbieter keinen Einblick in die Nutzung bekommt. Das ist technisch anspruchsvoll und für Firmen mit sensiblen Datenbeständen ein wichtiges Kriterium.
Preislich sortiert sich der Workspace in zwei Klassen ein. Die Standard-Variante für 12,99 Euro pro Monat deckt die Basics ab. Wer mehr Speicher, strengere Aufbewahrungsrichtlinien und die KI-Funktionen benötigt, landet bei der Premium-Version für 19,99 Euro. Das ist kein Kampfpreis, aber ein marktübliches Niveau für Business-Lösungen.
Mit Proton Meet gibt es zudem ein Videotool, das nun die Beta-Phase verlässt. Es lässt sich zwar in den hauseigenen Kalender integrieren, bleibt aber erfreulicherweise offen für die Konkurrenz von Google und Microsoft. In der kostenlosen Basisversion sind 50 Teilnehmer für bis zu 60 Minuten möglich - wer mehr braucht, muss mit mindestens 7,99 Euro pro Nutzer rechnen. Ob das reicht, um Teams aus ihrer gewohnten Umgebung zu locken, bleibt abzuwarten. Die technische Basis steht jedenfalls, jetzt muss Proton beweisen, dass die Kollaboration in der Schweizer Cloud genauso reibungslos läuft wie der Mail-Versand.
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