Während sich gefühlt jede zweite Datenschutzkonferenz mit der Degoogle-Bewegung beschäftigt und Microsoft-Software in deutschen Behörden zunehmend kritisch beäugt wird, entscheidet sich die Bundeswehr - Trommelwirbel - für Google. Nicht etwa für ein bisschen Maps oder Gmail, sondern direkt für eine strategische Infrastrukturmaßnahme: Zwei dedizierte „air-gapped“ Cloud-Instanzen powered by Google, bereitgestellt über die BWI GmbH, sollen künftig einen Teil der IT-Infrastruktur der Truppe stemmen.
Natürlich wird betont, dass die Server „in eigenen Rechenzentren“ stehen, dass „alles isoliert“ sei, und dass man jederzeit „volle Kontrolle über die Daten“ behalte. Aber seien wir ehrlich: Wer die Technologie liefert, hält auch den Schlüssel zur Architektur. Das ist, als würde man sich ein Hochsicherheitsgebäude bauen lassen - vom Hausmeister eines fremden Staates.
Gerade angesichts der regelmäßigen Warnungen vor US-Diensten, der Enthüllungen von Snowden, dem Cloud Act und der sich häufenden Fälle wie der Microsoft-Mail-Sperre für den Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs: Ist das wirklich der Weg, den man im Jahr 2025 noch beschreiten will?
Von digitaler Souveränität zu sprechen, während man einem der größten US-Tech-Konzerne den Router zum eigenen Datenzentrum reicht, ist zumindest mutig. Oder zynisch. Und natürlich bleibt man auch weiterhin tief in der SAP-Welt verankert, die bekanntlich auf sehr spezifische (und ebenfalls nicht gerade offene) Systeme angewiesen ist. Eine unabhängige, europäische oder gar quelloffene Lösung? Fehlanzeige.
Das Ganze reiht sich nahtlos in eine lange Liste von Entscheidungen, bei denen deutsche Behörden laut „Cloud-First“ rufen - und dann die Bestellung bei Amazon, Microsoft oder Google auslösen. Über die genauen Kosten dieser besonderen Partnerschaft schweigen BWI und Google übrigens wie immer.
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