Freedom.gov: Washington wird zum VPN-Provider für Europa

Christian Palm • 20.02.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Die USA planen mit freedom.gov ein Portal, das europäische Netzsperren via VPN-Technologie umgehen soll. Ein neuer Reizpunkt im digitalen transatlantischen Streit.
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Es ist eine interessante Wendung in der transatlantischen Digitalpolitik: Die US-Regierung plant offenbar, unter der Domain „freedom.gov“ ein Portal einzurichten, das Nutzern außerhalb der USA - explizit auch uns in Europa - dabei hilft, lokale Netzsperren zu umgehen. Was früher eher als Werkzeug gegen autokratische Regime gedacht war, richtet sich nun gegen die Regulierungsbemühungen der EU.

Technisch gesehen diskutiert das US-Außenministerium wohl über den Einsatz klassischer VPN-Lösungen. Das Ziel ist simpel: Der Datenverkehr soll so umgeleitet werden, dass es für die besuchten Server aussieht, als käme die Anfrage direkt aus den Vereinigten Staaten. Damit ließen sich Inhalte abrufen, die in Europa aufgrund von Gesetzen wie dem Digital Services Act (DSA) blockiert sind - sei es wegen Verstößen gegen Jugendschutz, Hassrede oder Desinformation.

Dass ausgerechnet Edward Coristine, ein früherer Mitstreiter von Elon Musks Effizienz-Behörde DOGE, an der Entwicklung beteiligt ist, gibt dem Projekt eine deutliche Note. Es geht hier weniger um technische Innovation als vielmehr um ein politisches Statement gegen europäische Plattform-Regulierung. Washington sieht in den strengen EU-Vorgaben für Konzerne wie X oder Meta eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, während Brüssel sie als notwendige Leitplanken für den digitalen Raum betrachtet.

Besonders pikant ist das Versprechen, keine Protokolle über die Nutzung zu führen. Ein staatlich betriebenes VPN, das Anonymität garantiert, ist in der Tech-Welt normalerweise ein Oxymoron. Ob europäische Internetnutzer tatsächlich darauf vertrauen, dass ihre Daten beim US-Außenministerium in den besten Händen sind, bleibt abzuwarten. Ursprünglich sollte das Projekt wohl im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt werden, doch man entschied sich kurzfristig für einen späteren Zeitpunkt.

Am Ende könnte freedom.gov zu einem kuriosen digitalen Wettrüsten führen. Während die EU versucht, den Wilden Westen der sozialen Medien zu zähmen, bietet die US-Regierung nun die passenden Tunnelgräber-Tools an, um die Zäune zu unterwandern. Es ist eine Form der Diplomatie, die man bisher eher aus der Grauzone der Internet-Subkultur kannte.

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