Euro-Office: Ein europäischer Fork gegen die Abhängigkeit

Michi Neumann • 30.03.26 - 08:04 Uhr
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Euro-Office startet als souveräne Alternative zu Microsoft. Warum die Open-Source-Suite auf OnlyOffice basiert und was der Fork für Europa bedeutet.
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In Berlin wurde gerade ein Projekt vorgestellt, das ein ziemlich dickes Brett bohren will: Euro-Office. Es ist der Versuch, eine europäische Antwort auf Microsoft Office zu etablieren, getragen von Schwergewichten der lokalen Open-Source-Szene wie Nextcloud, IONOS und OpenProject. Aktuell gibt es eine Tech-Preview, im Sommer soll die finale Version folgen.

Das Problem ist bekannt und nervt IT-Verantwortliche in Verwaltungen und Unternehmen seit Jahren. Man möchte weg von der Abhängigkeit aus Übersee, braucht aber Software, die beim Öffnen einer Excel-Tabelle nicht sofort kapituliert. Euro-Office verspricht genau das: Eine Suite für Texte, Tabellen und Präsentationen, die sich so vertraut anfühlt, dass niemand eine dreiwöchige Umschulung braucht, nur um einen Brief zu formatieren. Die Kompatibilität mit Microsoft-Formaten steht ganz oben auf der Agenda, damit der Datenaustausch im Alltag nicht zum Glücksspiel wird.

Spannend wird es unter der Haube. Die Initiatoren haben das Rad nicht neu erfunden, sondern setzen auf OnlyOffice auf. Dass sie sich für einen Fork entschieden haben, ist kein Zufall, sondern ein politisches Statement. OnlyOffice ist zwar technisch exzellent, hat aber seine Wurzeln und Strukturen recht tief in Russland verankert. Für ein Projekt, das "digitale Souveränität" im Namen trägt, war das offenbar ein zu großes Risiko. Mit Euro-Office ziehen sie nun eine eigene Code-Linie hoch, die komplett unter europäischer Kontrolle und Governance stehen soll.

Der Ansatz ist klug: Statt Jahre in die Entwicklung einer neuen Engine zu stecken, nimmt man eine bewährte Basis und kappt die Verbindungen, die Bauchschmerzen bereiten könnten. Der Quellcode ist offen, Markenrestriktionen gibt es nicht. Es geht darum, eine Infrastruktur zu schaffen, die nicht morgen durch geopolitische Verwerfungen oder intransparente Lizenzänderungen ins Wanken gerät. Ob das reicht, um gegen die Marktmacht von Microsoft anzustinken, muss sich zeigen. Aber der Grundstein für ein echtes europäisches Ökosystem liegt erst einmal auf dem Tisch.

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