Die Bundesdruckerei hat sich vom Drucker für Banknoten zum Betreiber von Digitalplattformen gemausert. Eines ihrer größten Projekte: das Bundesportal. Seit 2020 online, soll es Bürgern und Unternehmen zentrale Zugänge zu Verwaltungsleistungen bieten. Derzeit lassen sich über 400 Antragsverfahren des Bundes direkt dort erledigen, von Funklizenzen bei der Bundesnetzagentur bis hin zu Pilotenlizenzen beim Luftfahrtbundesamt - so ein Interview mit Dorothea Schneider bei Heise.
Klingt praktisch - nur gilt das eben hauptsächlich für Bundesleistungen. Wer Elterngeld oder BAföG beantragen will, landet weiterhin bei Portalen von Ländern oder Kommunen. Genau da liegt die größte Kritik: Das Bundesportal verweist oft nur weiter, statt alles aus einer Hand zu liefern. Unternehmen nutzen es schon fleißig, Privatpersonen eher punktuell. Trotzdem wächst die Plattform auf monatlich bis zu zwei Millionen Zugriffe.
Technisch ist das Projekt solide aufgestellt: eigenes Rechenzentrum in Berlin, eigene Cloud-Infrastruktur, keine Abhängigkeit von Hyperscalern. Auch die Entwicklung erfolgte komplett inhouse durch die Bundesdruckerei - im Auftrag des Bundesinnenministeriums. Bemerkenswert ist zudem, dass das Portal eines der ersten großen Bundesprojekte war, das agil entwickelt wurde. Im Behördenkontext fast schon ein kleines Wunder.
Die Roadmap klingt ambitioniert: mehr Komfortfunktionen wie Schnittstellen für Unternehmen, eine mögliche Rolle als „One-Stop-Shop“ für Bürger und Wirtschaft, und langfristig die Integration in die geplante europäische EUDI-Wallet. Gleichzeitig wirbt die Bundesdruckerei aktiv bei Ländern und Kommunen, ihre Insellösungen aufzugeben und das Bundesportal mitzunutzen - immerhin kostenlos für sie, da die Betriebskosten vom Bund getragen werden.
Noch ist es also mehr digitales Schaufenster als echter Alleskönner. Aber wenn die föderalen Puzzle-Teile irgendwann zusammengesetzt werden, könnte das Bundesportal tatsächlich zum zentralen Zugang für die Verwaltung in Deutschland werden.
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