Browser Dating: Diese Plattform matched dich nach deinem Suchverlauf

Christian Palm • 15.06.2025 · 2 Min. Lesezeit
Browser Dating bringt frischen Wind ins Online-Dating: Die Plattform matched Nutzer anhand ihres Suchverlaufs - nicht per Foto oder Profiltext.
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Online-Dating ist kaputtgeswipet. Tinder, Bumble, Hinge - alle liefern endlose Profile, Matches, Smalltalks und Ghostings. Viele Nutzer:innen sind längst durch mit der ewigen Show. Jetzt tritt ein neues Konzept auf den Plan, das alles umkrempeln will: Browser Dating. Und ja, der Name ist Programm - hier entscheidet dein Suchverlauf über dein Liebesleben.

Die Plattform stammt vom belgischen Künstler Dries Depoorter, der für seine gesellschaftskritischen Tech-Projekte bekannt ist. Was als Kunstexperiment begann, ist nun live und öffentlich zugänglich. Statt geschönter Profilbilder analysiert Browser Dating die letzten 5.000 Google-Suchanfragen und erstellt daraus ein persönliches Matching-Profil - das sogenannte „Browsing Personality Profile“.

Der Clou: Die Nutzer:innen haben keine Kontrolle über die Auswahl. Alles wird hochgeladen, nichts wird gefiltert. Die Software sucht nach Überschneidungen, ähnlichen Interessen, Tagesrhythmen oder wiederkehrenden Mustern. Gemeinsamkeiten werden anschließend in „Fun Facts“ verpackt: Wer ist eher nachtaktiv? Wer googelt obsessiv nach Geschichte, Krankheiten oder Pasta-Rezepten?

Ein Profil zeigt nur das Nötigste: Alter, Geschlecht, Ort, sexuelle Orientierung. Kein Filter, keine Auswahl, keine selbstgebastelten Selbstdarstellungen. Die Anmeldung kostet einmalig neun Euro - oder man testet fünf Matches gratis. Aktuell sind bereits über 1.000 Nutzer:innen registriert.

Datenschutz? Laut Depoorter bleibt die Analyse lokal. Der Suchverlauf wird nicht an Dritte weitergegeben, eine Löschfunktion ist vorhanden. Zugriff auf den Verlauf anderer Nutzer gibt es nicht - nur auf die algorithmisch erzeugten Gemeinsamkeiten.

Ob das Ganze ein ernsthafter Gamechanger fürs Online-Dating wird oder doch eher ein Statement über algorithmisch gelenkte Intimität, bleibt offen. Depoorter selbst will das auch gar nicht klar beantworten. Es geht um die Idee dahinter: Was wäre, wenn wir uns nicht über Selbstinszenierung, sondern über unsere digitale Realität begegnen würden?

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