Ziff Davis räumt auf und trennt sich von einem Brocken, den viele im Alltag regelmäßig nutzen, ohne groß über das Mutterhaus dahinter nachzudenken. Für 1,2 Milliarden US-Dollar in bar wandert die gesamte Connectivity-Sparte rüber zu Accenture. Wer jetzt nur fragend die Augenbrauen hebt: Wir reden hier von Marken wie Ookla - dem Inbegriff des Speedtests -, dem Störungsmelder Downdetector, sowie RootMetrics und Ekahau.
Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen. Die Sparte hat im Jahr 2025 rund 231 Millionen Dollar Umsatz gemacht, was gerade mal 16 Prozent des gesamten Ziff-Davis-Kuchens entsprach. Dass Accenture nun das Fünffache des Jahresumsatzes auf den Tisch legt, zeigt recht deutlich, dass es hier nicht um das reine Anzeigengeschäft auf Speedtest-Seiten geht. Es geht um Daten und Infrastruktur-Expertise.
Accenture kauft sich damit tief in das Design und die Analyse von Mobilfunk- und Breitbandnetzen ein. Während Ziff Davis als Medienhaus vielleicht gemerkt hat, dass der Betrieb von spezialisierter Netzwerk-Software und Test-Tools nicht mehr ganz in das restliche Portfolio aus Lifestyle- und Tech-Content passt, passt es für einen globalen IT-Dienstleister wie die Faust aufs Auge. Die Daten von Millionen von Speedtests weltweit sind für Beratungsleistungen im Telko-Sektor Gold wert.
CEO Vivek Shah spricht wenig überraschend von einer „transformativen Veränderung“ und dem üblichen Mehrwert für die Aktionäre. Das ist das klassische Manager-Vokabular für: Wir machen Kasse, solange die Bewertung stimmt, und konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft. Die Mitarbeiter sollen bei Accenture eine „neue Heimat“ finden - was im Berater-Sprech meistens bedeutet, dass die Prozesse erst einmal ordentlich durchoptimiert werden.
Der Deal muss noch durch die üblichen behördlichen Instanzen, sollte aber in den kommenden Monaten über die Bühne gehen. Für den normalen Nutzer wird sich beim schnellen Klick auf den Speedtest-Button vermutlich erst einmal nichts ändern, außer dass im Impressum bald ein anderer Name steht. Spannend bleibt jedoch, wie Accenture diese enormen Datenmengen künftig in seine B2B-Services integriert.
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