Man kennt das Spiel: Kaum ist der Nachwuchs auf der Welt, sichern sich manche Eltern direkt die passende Domain oder den Instagram-Handle, damit der Name nicht schon von irgendeinem Troll besetzt ist. Proton geht jetzt einen ähnlichen Weg, allerdings mit einem Fokus auf Privatsphäre statt Selbstdarstellung. Mit ihrem neuen Angebot "Born Private" können Eltern eine E-Mail-Adresse für ihre Kinder reservieren, die bis zu 15 Jahre lang unangetastet bleibt.
Das Problem bei den üblichen Verdächtigen wie Gmail oder Outlook ist bekannt: Wer nichts bezahlt, ist das Produkt. Wenn Kinder später ihre ersten Schritte im Netz machen, ist ihr Profil oft schon durch Tracking und Datenanalyse vorgeformt, bevor sie überhaupt das erste Mal "Passwort" buchstabieren können. Proton möchte hier eine Art digitalen Safe anbieten. Die Adresse bleibt gesperrt, wird nicht für Werbung gescannt und verfällt nicht - was bei kostenlosen Konten normalerweise nach einem Jahr Inaktivität passiert.
Technisch gesehen ist das Ganze eine Wette auf die Zukunft. Proton nutzt Zero-Access-Encryption, was bedeutet, dass nicht einmal der Anbieter selbst die Inhalte lesen kann, sobald das Konto aktiv ist. Für die Reservierung wird eine symbolische Spende von mindestens einem Dollar an die hauseigene Foundation fällig. Ein fairer Deal, wenn man bedenkt, dass man damit verhindert, dass die erste offizielle Kommunikation des Kindes direkt in den Werbe-Algorithmen von Big Tech landet.
Es ist ein interessanter Ansatz zur digitalen Erziehung. Wir bringen Kindern bei, beim Überqueren der Straße nach links und rechts zu schauen, aber wir werfen sie oft ohne Schutz in ein Internet, das darauf ausgelegt ist, jede ihrer Bewegungen zu monetarisieren. Ob man jetzt schon die E-Mail-Adresse für das Jahr 2040 (oh ja, das ist schon in 14 Jahren!) reservieren muss, ist natürlich Geschmackssache. Aber die Idee, eine "saubere" digitale Identität zu übergeben, die nicht schon jahrelang von Trackern profiliert wurde, hat durchaus ihren Charme.
Am Ende geht es weniger um das Postfach an sich, sondern um die Kontrolle darüber, wer Zugriff auf die Daten der nächsten Generation hat. Dass man dafür nicht mehr tun muss, als einen Dollar zu spenden und sich einen Namen zu überlegen, macht die Hürde angenehm niedrig. Es ist quasi das digitale Äquivalent zum Sparbuch - nur dass hier keine Zinsen gesammelt werden, sondern Privatsphäre.
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