Wer die Preisentwicklung von Airmail über die letzten Jahre verfolgt hat, braucht starke Nerven. Was vor sechs Jahren als moderater Umstieg vom Einmalkauf auf ein Abo für rund 11 Euro startete, hat sich mittlerweile in preisliche Regionen bewegt, die man sonst eher von spezialisierter Enterprise-Software kennt. In Deutschland werden für das "Airmail Pro"-Jahresabo nun satte 99,99 Euro fällig. Damit hat sich der Preis innerhalb weniger Jahre fast verzehnfacht.
Besonders skurril wird es beim Blick über den großen Teich. Während deutsche Nutzer im Mac App Store fast dreistellig zur Kasse gebeten werden, kostet das gleiche Abo in den USA weiterhin 49,99 Dollar. Warum europäische Kunden effektiv das Doppelte bezahlen sollen, bleibt das Geheimnis der Entwickler. Eine offizielle Ankündigung oder gar eine Rechtfertigung für diesen massiven Sprung blieb bisher aus. Die meisten Abonnenten erfahren erst durch die automatisierte System-Mail vom App Store über die anstehende Preiserhöhung bei der nächsten Verlängerung.
Auf Nachfragen reagiert das Team hinter Airmail mit den üblichen Textbausteinen: Man müsse die Preise anpassen, um die kontinuierliche Wartung und neue Funktionen auf macOS und iOS sicherzustellen. Schaut man sich die Update-Historie der letzten Monate an, fällt die Suche nach bahnbrechenden Neuerungen allerdings schwer. Ein Redesign hier, ein paar KI-Features da - ob das den neuen Premium-Preis rechtfertigt, wagen viele langjährige Nutzer zu bezweifeln.
Das Timing ist zudem riskant. Airmail punktet traditionell mit einer smarten Inbox und einer starken Kategorisierung von Nachrichten. Genau hier hat Apple mit der eigenen Mail-App zuletzt deutlich aufgeholt. Auch wenn Apples automatische Sortierung noch nicht perfekt ist, dürfte sie für den Durchschnittsnutzer gut genug sein, um den Wechsel zu einem 100-Euro-Abo pro Jahr gründlich zu überdenken. Für Airmail wird die Luft in der Nische der Power-User damit spürbar dünner.
Kommentare (0)