Es war ein Abgang mit Ansage, auch wenn der Zeitpunkt nun feststeht. Nach 15 Jahren an der Spitze räumt Tim Cook am 1. September 2026 seinen Schreibtisch als CEO. Wer nun jedoch ein großes Beben in Cupertino erwartet, hat die letzten Jahre nicht aufgepasst. Apple macht das, was Apple am besten kann: den Übergang so geräuschlos wie möglich gestalten.
John Ternus übernimmt das Ruder. Er ist kein Unbekannter, sondern seit 2001 im Unternehmen und hat zuletzt als Hardware-Chef die iPad-Sparte und den Umstieg auf Apple Silicon verantwortet. Dass nun wieder ein Ingenieur das Sagen hat, ist ein interessantes Signal. Cook kam bekanntlich aus der Logistik-Ecke und hat Apple vor allem zu einer hocheffizienten Geldmaschine mit einer Marktkapitalisierung von vier Billionen Dollar gemacht. Ternus steht für die Produkte selbst.
Tim Cook verschwindet allerdings nicht ganz von der Bildfläche. Er wechselt auf den Posten des Executive Chairman. In der offiziellen Mitteilung heißt es dazu recht trocken, dass er sich verstärkt um die Beziehungen zu politischen Entscheidungsträgern weltweit kümmern wird. Das passt zu seiner Bilanz: Cook war weniger der Visionär, der im schwarzen Rollkragenpulli neue Gadgets erfand, sondern der Diplomat, der Apple durch Handelskriege und regulatorische Stürme manövriert hat.
Der Wechsel in der Hardware-Führung beginnt bereits heute. Während Ternus sich bis September auf seine neue Rolle vorbereitet, übernehmen Johny Srouji und Tom Marieb seine bisherigen Aufgaben. Srouji, der Mastermind hinter den A- und M-Chips, bekommt damit noch mehr Gewicht im Konzerngefüge.
Man kann von Cooks Ära halten, was man will - die Zahlen sprechen für sich. Er hat Apple von einem Computerhersteller zu einem Dienstleistungs-Giganten transformiert. AirPods, Apple Watch und der Abschied von Intel-Prozessoren fielen in seine Zeit. Ternus erbt nun ein Imperium, das zwar finanziell auf sicherem Boden steht, sich aber in einer Welt behaupten muss, in der KI und neue Formfaktoren wie die Vision Pro die nächste Dekade bestimmen werden. Ob der "Ingenieur mit der Seele eines Innovators", wie Cook ihn nennt, diesen Erwartungen gerecht wird, sehen wir im Herbst.
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