Datenschutz oder Machtfrage? Warum Apple mit App Tracking Transparency in der Zwickmühle steckt

Christian Palm • 26.10.2025
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Apple droht, „App Tracking Transparency“ in Europa zu stoppen - ein Streit zwischen Datenschutz, Wettbewerb und Macht.
Apple Store Pacific Centre, Vancouver

Apple hat ein Problem, das nur auf den ersten Blick mit Datenschutz zu tun hat. Der Konzern droht, sein populäres Feature „App Tracking Transparency“ (ATT) in Europa abzuschalten - ausgerechnet jenes System, das 2021 als großer Sieg für die Privatsphäre gefeiert wurde. Damals durften iPhone-Nutzer erstmals selbst entscheiden, ob Apps sie quer durchs Netz verfolgen dürfen. Das klang nach digitaler Selbstbestimmung, kostete die Werbebranche aber Milliarden.

Heute ist aus dem gefeierten Schutzschild ein politisches Risiko geworden. Wettbewerbsbehörden in Deutschland, Frankreich und Italien prüfen, ob Apple seine Datenschutzpolitik nicht vor allem für sich selbst nutzt. Das Bundeskartellamt sieht Anzeichen, dass Apples eigene Werbedienste von Regeln verschont bleiben, die andere strikt befolgen müssen. Frankreich ging noch weiter und verhängte ein Bußgeld von 150 Millionen Euro - wegen angeblich zu komplizierter Zustimmung und ungleicher Bedingungen für Konkurrenten.

Apple reagiert empört. In einer Stellungnahme spricht der Konzern von „intensiven Lobbybemühungen“ gegen seine Datenschutzmodelle und warnt, man könne gezwungen sein, ATT komplett abzuschalten - zum Nachteil der Nutzer, versteht sich. Doch bislang bleibt das eher Drohgebärde als tatsächlicher Plan.

Im Kern dreht sich der Streit um die Frage, wer eigentlich die Daten auf dem iPhone kontrolliert. Drittanbieter-Apps brauchen explizite Zustimmung für Tracking, Apple darf hingegen eigene Nutzerdaten weiter für Werbung in App Store und Apple News einsetzen. Die Behörden wittern Wettbewerbsverzerrung, Apple pocht auf Datenschutzprinzipien.

Für iPhone-Besitzer bleibt vorerst alles beim Alten: Die Tracking-Abfrage funktioniert weiter. Doch der Fall zeigt, dass Datenschutz längst kein reines Moralthema mehr ist, sondern ein Machtfaktor. Zwischen Privatsphäre und Profit braucht Europa dringend einheitliche Spielregeln - auch für Unternehmen, die sich gern als Hüter der Privatsphäre sehen.

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