Apple hat ein Händchen dafür, ambitionierte Projekte erst jahrelang im Stillen zu füttern, um sie dann kurz vor der Ziellinie radikal zu stutzen. Das neueste Opfer dieser internen Flurbereinigung ist Project Mulberry. Was ursprünglich als der große Wurf für die Health-App geplant war - ein KI-gestützter Coach, der dich mit personalisierten Tipps und professionell produzierten Videos durch den Tag begleitet - wird nun deutlich kleiner gebacken.
Der Grund für den Kurswechsel liegt im Personal-Karussell in Cupertino. Nach dem Abschied von COO Jeff Williams hat nun Services-Chef Eddy Cue das Sagen im Gesundheitsbereich. Und Cue scheint wenig Lust auf halbgare Wellness-Versuche zu haben. Berichten von Bloomberg (via 9to5mac) zufolge war er schlicht nicht davon überzeugt, dass ein paar Lehrvideos und ein bisschen Coaching ausreichen, um gegen spezialisierte Konkurrenten wie Oura oder Whoop zu bestehen. Wer diese Wearables nutzt, weiß: Die Konkurrenz ist verdammt gut darin, Daten nicht nur zu sammeln, sondern sie in verständliche Handlungsempfehlungen zu übersetzen.
Apple hatte für Mulberry bereits ein eigenes Studio in Oakland hochgezogen, um Inhalte mit Medizinern und Experten zu produzieren. Diese Inhalte werden zwar nicht komplett eingemottet, sollen aber eher kleinteilig und über einen längeren Zeitraum in die Health-App einsickern, statt als großes "Health+"-Abo-Modell zu starten. Es ist die typische Apple-Taktik: Wenn das Gesamtpaket nicht perfekt sitzt, wird es in seine Einzelteile zerlegt und nach und nach serviert.
Parallel dazu baut Apple seine KI-Infrastruktur um. Während John Giannandrea seinen Abschied für das Frühjahr 2026 vorbereitet hat, wandert die KI-Strategie direkt unter die Fittiche von Craig Federighi. Das Ziel scheint klar: Weg von isolierten Projekten, hin zu einer tiefen Systemintegration. Für uns Nutzer bedeutet das, dass der Fokus nun auf einem KI-Chatbot liegt, der auf dem internen "World Knowledge Answers"-System basiert. Anstatt dir ein Video von einem Physiotherapeuten zu zeigen, soll Siri künftig einfach direkt und präzise auf Fragen zu deinem Wohlbefinden antworten können.
Mit iOS 27 soll Siri dann endlich in der Lage sein, komplexe Gesundheitsfragen zu verstehen und mit den Daten aus deiner Health-App zu verknüpfen. Das klingt auf dem Papier vielleicht weniger glamourös als ein digitaler Personal Trainer im Studio-Look, ist aber am Ende wohl der nützlichere Weg. Apple scheint verstanden zu haben, dass wir keinen weiteren Content-Dienst brauchen, sondern eine Intelligenz, die uns sagt, warum wir uns heute Morgen so gerädert fühlen.
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