Manche Dinge brauchen bei Apple einen langen Atem. Nach über vier Jahren hat der Konzern aus Cupertino endlich die zweite Generation des AirTag aus dem Hut gezaubert. Wer auf eine revolutionäre neue Form gehofft hatte - vielleicht eine flache Karte für das Portemonnaie -, wird enttäuscht. Äußerlich bleibt alles beim Alten. Das ist einerseits konservativ, andererseits konsequent: Dein altes Zubehör vom Drittanbieter oder der teure Lederanhänger landen so wenigstens nicht im Müll.
Die eigentliche Musik spielt im Inneren, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Lautsprecher wurde komplett überarbeitet und soll nun rund 50 Prozent lauter sein als beim Erstling. Wer schon einmal versucht hat, seinen Schlüssel unter einem dicken Sofa-Kissen allein durch akustische Signale zu lokalisieren, wird dieses Upgrade zu schätzen wissen. Das nervöse Piepsen dringt jetzt endlich auch durch massivere Hindernisse.
Das technische Rückgrat bildet der neue Ultrabreitband-Chip der zweiten Generation. Den kennen wir bereits aus dem iPhone 17 und der aktuellen Apple Watch. In der Praxis bedeutet das vor allem eines: Präzision auf Distanz. Die Reichweite für die punktgenaue Suche hat sich massiv erhöht. Apple spricht von einem Plus von 50 Prozent. In Kombination mit der Apple Watch Series 9 oder neuer lässt sich die Suche jetzt auch flüssig vom Handgelenk aus steuern, ohne dass man ständig das iPhone wie einen Metalldetektor vor sich her tragen muss.
Spannend ist der Vorstoß in Richtung Reisekomfort. Apple hat das Feature „Objektstandort teilen“ tiefer integriert. Dass man den Standort eines Koffers nun temporär für Fluggesellschaften freigeben kann, ist ein geschickter Schachzug gegen das logistische Chaos an Flughäfen. Wenn die Airline tatsächlich sieht, dass der Koffer noch in London steht, während man selbst in Berlin wartet, verkürzt das die bürokratischen Wege erheblich. Dass der Zugriff nach sieben Tagen automatisch erlischt, beruhigt das Gewissen in Sachen Datenschutz.
Apropos Datenschutz: Apple betont weiterhin, dass keine Standortdaten lokal auf dem AirTag gespeichert werden. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im „Wo ist?“-Netzwerk bleibt der Goldstandard. Neu sind lediglich verfeinerte Schutzmechanismen gegen Stalking, die nun noch schneller vor fremden Trackern in der Umgebung warnen sollen.
In Sachen Nachhaltigkeit setzt Apple auf das übliche Rezept: Viel recycelter Kunststoff, Goldbeschichtungen aus Rückgewinnung und eine faserbasierte Verpackung. Dass der Preis für den Einzel-Tag auf 35 Euro gesunken ist, wirkt fast schon untypisch für Apple, dürfte aber die Hürde für den Umstieg deutlich senken. Wer das Maximum an Reichweite will, kommt um das Upgrade kaum herum - alle anderen können ihren alten AirTag getrost weiternutzen, solange die Batterie noch mitspielt.
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Lucasq
26.01.2026 - 16:38 Uhr