Der langsame Tod des Nova Launchers: Ein Update zum Abgewöhnen

Michi • 20.01.2026
2 Min. Lesezeit • 0 Kommentare
Nova Launcher gehört jetzt Instabridge. Mit dem neuen Besitzer halten Tracker und Ad-SDKs Einzug. Ist das Ende des beliebten Android-Launchers besiegelt?
Android-Tablet Illustration

Der Nova Launcher war über ein Jahrzehnt das Schweizer Taschenmesser für jeden Android-Nutzer, der die optische Bevormundung der Hersteller nicht länger ertragen wollte. Doch die Ära der grenzenlosen Anpassung ohne Nebenwirkungen findet gerade ein jähes und ziemlich unschönes Ende. Branch hat die App klammheimlich an Instabridge Sweden weitergereicht. Dass Gründer Kevin Barry schon seit Monaten nicht mehr an Bord ist und eine offizielle Ankündigung bisher fehlt, spricht Bände über die Wertschätzung gegenüber der Community.

Wer Instabridge nicht kennt: Das Unternehmen ist spezialisiert auf werbefinanzierte Tools wie WLAN-Karten. Dass man dort weniger an eleganter Benutzeroberfläche und mehr an verwertbaren Datensätzen interessiert ist, zeigt die aktuelle Version 8.2.4 des Launchers. Während früher zwei Tracker im Code schlummerten, sind es laut Exodus Privacy nun sechs. Besonders charmant: Selbst zahlende Nutzer der Prime-Version bekommen nun das volle Programm an Facebook Ads und Google AdMob serviert. Ein Launcher ist das Herzstück deines Smartphones; er weiß theoretisch, wann du welche App wie oft startest. Dass dieser Logenplatz nun von einem Werbevermarkter besetzt wird, sollte bei jedem Nutzer die Alarmglocken schrillen lassen.

Besonders bitter ist der Blick zurück auf verpasste Chancen. Kevin Barry wollte das Projekt ursprünglich als Open Source freigeben, was der damalige Besitzer Branch jedoch verhinderte. Statt Transparenz gibt es nun also die maximale kommerzielle Ausschlachtung. Es wirkt fast so, als wolle man die verbliebene Nutzerbasis so schnell wie möglich melken, bevor auch der letzte Fan merkt, dass die Konkurrenz in Form von Lawnchair oder Microsoft Launcher längst aufgeholt hat - und das ohne ein Arsenal an Schnüffel-Tools im Gepäck.

Die goldene Zeit der Drittanbieter-Launcher ist ohnehin angezählt, da Google und Samsung ihre eigenen Oberflächen immer weiter aufbohren. Wenn dann ein einstigers Vorzeigeprojekt wie Nova zum Datenstaubsauger mutiert, ist das keine Weiterentwicklung, sondern eine Beerdigung auf Raten. Wer Wert auf seine Privatsphäre legt, sollte das automatische Update im Play Store schleunigst deaktivieren oder sich direkt nach einer Alternative umsehen. Ein Homescreen, der dich trackt, ist kein Werkzeug mehr, sondern eine Wanze.

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