Android hat ein neues Transparenzproblem - diesmal nicht beim Datenschutz, sondern bei den Signalbalken. Im Code des sogenannten Carrier Config Manager steckt ein unscheinbares Flag namens KEY_INFLATE_SIGNAL_STRENGTH_BOOL, das bei Aktivierung schlicht einen zusätzlichen Balken zur tatsächlichen Signalstärke hinzuerfindet.
Das Feature ist laut Android-Quellcode standardmäßig deaktiviert, kann aber von Mobilfunkanbietern über ein OTA-Update (Over-the-Air) aktiviert werden. Und zwar nicht nur auf Provider-gebundenen Geräten, sondern auch auf entsperrten Smartphones - die Konfiguration wird nämlich über die SIM-Karte geladen. Mit anderen Worten: Wer die SIM eines besonders kreativen Netzbetreibers einlegt, sieht womöglich mehr Empfang, als physikalisch existiert.
Aufgedeckt wurde das Feature durch Nick vs Networking, der bei der Analyse des Android-Codes auf das Flag stieß. Laut einem Bericht von Android Authority nutzen bereits die US-Anbieter AT&T und Verizon diesen Trick. Nutzer dort könnten also glauben, sie hätten volle Netzabdeckung - während die Realität irgendwo zwischen Funkloch und Frust pendelt.
Offen bleibt, welcher Provider Google ursprünglich um diese Funktion gebeten hat und warum der Konzern zugestimmt hat. Offizielle Dokumentation? Fehlanzeige. Die naheliegende Vermutung: weniger Beschwerden über angeblich schwachen Empfang, weniger Supportaufwand - und ein bisschen kosmetische Netzpolitik.
Ganz neu ist der Taschenspielertrick allerdings nicht. Schon 2017 drängten Netzbetreiber Google dazu, exakte Signalwerte in dBm aus Androids Menü zu entfernen. Später durften sie eigene Schwellenwerte für die Balkenanzeige definieren - wer also bei drei Balken kein Netz hat, weiß jetzt, warum.
Wer dachte, Balken auf dem Smartphone seien objektiv, darf das künftig getrost ins Reich der Mythen verschieben. Willkommen im Zeitalter des Marketing-Signals.
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